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Let’s talk about TV

Neue technische Möglichkeiten und neue digitale Geräte halten uns alle in Atem. Besonders das Smartphone mit seiner Fähigkeit, mediale Beschäftigungen vom Spielen über Filme gucken bis hin zum Lesen auf kleinstem Raum zu vereinigen, ist für viele die medienpädagogische Herausforderung schlechthin. Aber auch der gute alte Fernseher zeigt sich erstaunlich modern: lineares Fernsehen war gestern, heute wird gestreamt. Und was heißt das für Eltern?

Fernseher mit einem Fußballspiel Die großen Momente des linearen Fernsehens sind selten geworden - Foto von JESHOOTS.com von Pexels

Es muss noch nicht mal ein neues Gerät sein, um sich von der Zeitgestaltung irgendwelcher Programmplaner*innen unabhängig zu machen. Auch ältere Geräte können mittels kleiner Kisten wie dem Amazon Fire Stick oder Apple TV vergleichsweise günstig in die Welt digitaler Möglichkeiten gebracht werden. Der Wandel in unserem Mediennutzungsverhalten, der damit einhergeht, ist enorm. Während große Fernsehproduktionen früher zur Sendezeit für leere Straßen sorgen konnten und die nächste Folge der Lieblingsserie fieberhaft erwartet wurde, steht heute ein unüberschaubares Angebot zur unmittelbaren Nutzung zur Verfügung.

Das neue Gucken

Ob es kostenpflichtige Streaming-Anbieter wie Netflix oder Amazon Prime sind, die Mediatheken von altehrwürdigen Fernsehsendern oder eben YouTube: Geguckt wird, wann wir es wollen. Und dabei geht alles ein bisschen ineinander über, sehen die Serien von ZDF Neo so aus, als kämen sie direkt aus YouTube und bespielen öffentlich-rechtliche Sendeanstalten Social Media-Kanäle, um auch ein jüngeres Publikum erreichen zu können. Straßenfeger sind nur noch unhintergehbare Live-Events – im Wesentlichen Fußballspiele bei Welt- und Europameisterschaften, die für ihren Spannungsbogen genau in dem Moment angesehen werden müssen, in dem sie stattfinden. Das geht dann – wenn es die pandemische Situation erlaubt – auch gerne beim Public Viewing.

Altersfreigaben und Nachteulen

Für alle Erziehenden stellt sich die Frage, wie sie bei dem Angebot noch einen sicheren Pfad für streamende Kinder finden können. Zur Beruhigung: Es gibt auch bei Streaming-Anbietern Hinweise auf die FSK-Einstufung von Serien, Filmen und Dokumentationen. Liegt eine solche Einstufung nicht vor, wird die Altersangabe – etwa bei einigen Eigenproduktionen – vom Streaming-Dienst selbst übernommen. Das ist nicht immer pädagogisch überzeugend, aber immerhin ein Wegweiser. Richten Sie deshalb unbedingt ein eigenes Profil mit der entsprechenden Alterseinstellung für Ihr Kind ein. So kann Ihr Kind, abhängig vom Alter, sich auch selbstständig im Kinderbereich umschauen.

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Die Mediatheken der Fernsehsender versuchen, den Zugang zu Inhalten mit einer FSK-Einstufung von 16 oder 18 durch die Zeiten zu regulieren, in denen sie geguckt werden können. Ohne Registrierung mit Alterskontrolle können diese Sendungen nur ab 22:00 oder 23:00 Uhr bis 6:00 Uhr abgerufen werden. Vermutlich schließt das eher müde Eltern als nachtschwärmende Teenager aus. Gut also, dass mit einer Freigabe im Konto ein Jugendschutz-Code festgelegt und die Alterssperre aufgehoben werden kann. Prinzipiell bieten die Mediatheken Kinder- bzw. Familienbereiche an, in denen sich Kinder gefahrlos umsehen können.

Besonders kniffelig wird es bei YouTube. Hier gibt es lediglich eine Altersbeschränkung, durch die Videos von Nutzer*innen, die unter 18 Jahre alt oder nicht angemeldet sind, nicht angesehen werden können. Eine differenzierte Alterseinstufung ist komplett Fehlanzeige. Für jüngere Nutzer*innen ist YouTube kids eine Alternative. Allerdings sollten Sie sich auch hier keineswegs darauf verlassen, dass es sich um pädagogisch wertvolle Inhalte handelt. Insofern gibt es keine externen Einschätzungen, auf die Sie sich stützen können. Der beste Weg ist sicherlich, mit Ihrem Kind im Gespräch zu bleiben über die Inhalte und Kanäle, die es gucken möchte.

In Serie gucken

Eine der größten Herausforderungen beim neuen Fernsehen ist es, ein Ende zu finden. Kaum ist die Episode oder der Film zu Ende (natürlich ohne Abspann) geht es schon nahtlos weiter. Zum einen bleiben die Kinder damit in der Filterblase des jeweiligen Algorithmus, der vorschlägt, was zu dem Vorherigen passt – nach welchen Kriterien auch immer. Zum anderen ist das Bingen damit quasi vorprogrammiert. Letztlich haben alle Anbieter ein großes Interesse daran, die Zuschauer*innen vor dem Bildschirm oder Display zu halten. Vereinbaren Sie deshalb am besten vorab mit Ihrem Kind, wie viele Folgen es gucken darf. Stellen Sie sich einen Timer, damit Sie im Zweifel schnell kontrollieren können, ob Ihr Kind auch wirklich den Absprung geschafft hat.

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Flimmo hilft

Damit Sie sich aktiv und fundiert an der Programmgestaltung Ihres Kindes beteiligen können, gibt es eine umfassende Orientierungshilfe. Der Elternratgeber flimmo trägt den neuen Sehgewohnheiten auf der Website flimmo.de Rechnung. Es geht hier nicht mehr nur um Fernsehsendungen, sondern auch um Empfehlungen aus den Mediatheken, Neuheiten bei Streaming-Anbietern, Empfehlungen für YouTube-Kanäle und – als letzte regelmäßige Bastion des großen gemeinsamen Medienspektakels – auch Besprechungen aktueller Kinofilme. Die Einschätzung der Redaktion ist dabei deutlich differenzierter als eine FSK-Einstufung, ein Ampelsystem macht dabei auf einen Blick sichtbar, ob es aus pädagogischer Sicht problematische oder überfordernde Inhalte gibt. So können Sie auch bei den neuen Sehgewohnheiten durchblicken.

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geschrieben von: Meike Adam

beschäftigt sich seit rund 15 Jahren beruflich mit dem Themenkomplex Medien, als Wissenschaftlerin, Webschaffende und medienpädagogische Referentin. Durch zahlreiche Elternabende, Fortbildungen für Lehrer_innen und Unterrichtseinheiten mit SuS weiß sie, wo es brennt. Mit 3 Kindern ist sie zudem alltägliche medienpädagogische Praktikerin.

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