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Lernen für’s Leben anno 1900

Irgendwas läuft schief in Sachen Medienerziehung an unseren Schulen. Während Handys in unserem Leben allgegenwärtig sind, bleiben weiterführende Schulen in Deutschland weitgehend handyfreie Zonen. Der medienpädagogische Beitrag vieler Schulen erschöpft sich darin, Handys einzukassieren. Diese gefühlte Realität bildet sich auch in handfesten Zahlen ab.

Stecker ziehen führt zu nichts.

Eine aktuelle Umfrage der bitkom an rund 500 weiterführenden Schulen zeigt, dass in gut der Hälfte aller Schulen Handys im Unterricht verboten sind, 16% gehen noch weiter und haben ein generelles Handyverbot erlassen. Nur 4% aller Schulen verzichten auf das Verbieten von Handys. Der alltägliche Kampf Schüler*innen gegen Lehrer*innen wird damit noch eine Weile weitergehen. Statt das Potenzial von Handys zu nutzen, wird Katze und Maus gespielt.

Overhead: Mittel der Wahl

Doch nicht nur die Schüler und Schülerinnen sollen in der digitalen Steinzeit verharren, auch die Lehrerinnen scheinen sich da größtenteils recht wohl zu fühlen. Zwar nutzen 98% von ihnen selbst ein Smartphone, auf die Idee dieses Gerät auch für den Unterricht einzusetzen, kommen aber gerade 10%. 8% machen das aber auch nur in Ausnahmefällen. Bleiben gerade 2% über, die Smartphones für ihren Unterricht mit einer gewissen Regelmäßigkeit nutzen. Viel lieber ist den Lehrkräften der gute alte Overhead-Projektor, der immerhin von 78% mehr oder minder regelmäßig angeworfen wird.

Wer jetzt frohlockt, dass die Schulen so einen Schutzraum vor der digitalen Überrumplung unserer Kinder bieten, übersieht, dass Wegducken auf die Dauer nicht helfen wird. Digitale Medien sind gekommen, um zu bleiben und Smartphones sind sicher erst der Anfang der digitalen Durchdringung unseres Alltags. Das Ausschließen von digitalen Geräten aus dem Schulalltag kommt da einer pädagogischen Kapitulation gleich.

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Wer übernimmt?

Wir geben damit eine positive Einflussnahme auf und lassen vielversprechende Lernhilfen außen vor. Da Kinder und Jugendliche heute in einer digitalen Welt leben, brauchen sie dringend Orientierung. Wenn Schulen sich dieser Aufgabe nicht stellen, bleiben noch die Eltern als Kompetenzvermittler*innen. Sonst übernehmen Konzerne wie Facebook & Co. die digitale Formung unserer Kinder. Das wäre in etwa so, wie wenn wir die Ernährung vertrauensvoll in die Hände von McDonald‘s legen würden.

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geschrieben von: Meike Adam

beschäftigt sich seit rund 15 Jahren beruflich mit dem Themenkomplex Medien, als Wissenschaftlerin, Webschaffende und medienpädagogische Referentin. Durch zahlreiche Elternabende, Fortbildungen für Lehrer_innen und Unterrichtseinheiten mit SuS weiß sie, wo es brennt. Mit 3 Kindern ist sie zudem alltägliche medienpädagogische Praktikerin.

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