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Wo Desinformationen fröhlich zirkulieren

Das Wort Fake-News hat Konjunktur – eine Suchmaschinen-Anfrage bringt mehr als 1.000.000.000 Treffer. Verantwortlich machen Viele dafür Soziale Netzwerke, in denen Falsches ungehindert mit der (digitalen) Welt geteilt werden kann. Weniger beachtet werden dabei meistens Messenger wie WhatsApp, dabei gedeiht hier im Halbdunkel von Chat-Gruppen auch jede Menge Desinformation. Träger sind nicht nur Textnachrichten, sondern zunehmend Fotos, Video, Memes und Sprachnachrichten.

Bleiben Sie wachsam und kritisch

Ann Cathrin Riedel hat das Phänomen der Desinformation in Messengern in ihrer Studie „Behind closed Curtains“ für die Friedrich-Naumann-Stiftung genauer untersucht. Auch wenn Desinformationen als strategisches Mittel etwa zur Destabilisierung eines Staates nicht neu sind, schafft die digitale Kommunikation ganz neue Möglichkeiten der Verbreitung. So hat die WHO im Zusammenhang mit den kursierenden Feh- und Desinformationen über Corona und den nicht selten damit verknüpften Verschwörungstheorien von einer Infodemie gesprochen. Desinformationen werden dabei laut Riedel gezielt eingesetzt „um einer Person, einer Gruppe, einer Organisation oder einem Staat Schaden zuzufügen.“

Soziale Netzwerke und Messenger unterteilen unsere Kommunikation in digitale Gruppen, deren Inhalten wir gerne glauben, weil es sich um Freundinnen, Gleichgesinnte etc. handelt, deren soziale Akzeptanz uns wichtig ist. Wir informieren uns aber längst nicht nur über Privates, sondern auch Politisches wird hier behandelt. Zwar nutzen nach wie vor die meisten Menschen in Deutschland den Fernseher, um sich über das aktuelle Geschehen zu informieren, aber Online-Medien inkl. sozialen Netzwerken holen beständig auf.

Im Dunkeln ist gut munkeln

Das Besondere an Messenger liegt in dem Gefühl eines geschlossenen Kommunikationsraumes, der eine gewisse Privatheit vorgaukelt. Das stimmt insofern, als die Anbieter auf Grund der Verschlüsselung der Inhalte nicht direkt einschreiten können. Die verbreiteten Inhalte können diesen Gruppenraum jedoch ohne Probleme verlassen, indem sie geteilt oder anderweitig hochgeladen werden. Von einem privaten Kommunikationsraum lässt sich also nicht wirklich sprechen, hält er doch unzählige Türen zu anderen Räumen bereit.

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Trotzdem ist die Dynamik in Messengern anders als in sozialen Netzwerken, deren öffentlicher Charakter den Nutzerinnen eher präsent ist. In Messenger-Gruppen kommt es oft zu einer Art „Stammesdenken“, unser Zugehörigkeitsgefühl zu einer Gruppe – egal ob religiös, durch ein Hobby oder eine politische Haltung bestimmt – bringt uns dazu, die Inhalte für wahr zu halten. Hinzu kommt, dass Desinformationen an vorhandene Einstellungen anknüpfen können. So wirken im Halbdunkel von Messenger-Gruppen und Kanälen viele Rechte und Verschwörungstheoretikerinnen.

Desinformationen kursieren aber durchaus nicht nur in Kanäle von Menschen, die mehr oder minder offen ihre Ressentiments, Vorurteile und Stereotype miteinander teilen. Auch vermeintlich harmlose Inhalte wie Memes – Bilder und Videos, die massenhaft geteilt. bearbeitet werden und in der Kombination mit kurzen Texten Situationen, Konflikte oder Diskussionen auf den Punkt bringen – können offen oder subtil menschen- und gruppenfeindliche Inhalte transportieren. Nicht selten werden Bilder auch aus ihrem Kontext gerissen – etwa wenn behauptet wird, Angela Merkel habe sich nicht an Corona-Vorschriften gehalten, indem sie den Mindestabstand unterschritten habe. Untermauert wird diese Behauptung dann mit einem alten Bild, das vor der Pandemie entstanden ist.

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Nicht mitlachen und nicht teilen

In solchen Fällen sind wir alle gefragt: Ein Meme, das rassistisch ist, ist nicht lustig. Damit es sich nicht weiterverbreitet, braucht es Menschen, die genau das sagen, auch in ihrer WhatsApp-Gruppe. Jeder einzelne hat die Möglichkeit die Lawine zumindest an einem Punkt zu stoppen. Sie sind damit keine Spaßbremse, sondern tragen dazu bei, letztlich gefährliche Inhalte zur Diskussion zu stellen.

Kommt Ihnen ein Bild in einem Kontext komisch vor, nehmen Sie sich die Zeit für eine kurze Bilder-Rückwärtssuche: Sie können bei Google einfach ein Bild hochladen, um zu erfahren, in welchen Zusammenhang es möglicherweise schon einmal aufgetaucht ist. Im letzten Jahr war es nämlich keineswegs skandalös, wenn Merkel und Macron sich ohne Schutzmaske getroffen haben, sondern ein ganz normales Arbeitstreffen. Kein Grund zur Aufregung also.

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geschrieben von: Meike Adam

beschäftigt sich seit rund 15 Jahren beruflich mit dem Themenkomplex Medien, als Wissenschaftlerin, Webschaffende und medienpädagogische Referentin. Durch zahlreiche Elternabende, Fortbildungen für Lehrer_innen und Unterrichtseinheiten mit SuS weiß sie, wo es brennt. Mit 3 Kindern ist sie zudem alltägliche medienpädagogische Praktikerin.

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