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So schön: die Online-Offline-Balance

Früher gab es wissenschaftliche Untersuchungen zu Alkohol, Nikotin oder Spielsucht. Dann kam das Internet und mit ihm die erste Studie des Gesundheitsministeriums zur Internetabhängigkeit in Deutschland: 2013 waren es eine halbe Million, die ohne nicht mehr konnten, heute geht man davon aus, dass sich die Zahl verdoppelt hat. Laut Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sind ca. 270.000 Jugendliche onlinesüchtig. Mit diesen Zahlen geht die Forderung einher, Internetsucht als Krankheit anzuerkennen. Als bestes Mittel gegen eine Erkrankung empfiehlt die Drogenbeauftragte der Bundesregierung die aktive Vermittlung neuer Medienkompetenzen. Wir auch.

Kalter Kaffee: Neue Zeiten - neue Süchte?

Mal ehrlich, haben Sie sich nicht auch schon mal gefragt, wie Sie früher “ohne” ausgekommen sind? Gehören Sie vielleicht zu den Internet-Abhängigen dazu? Ab wann tritt dieser Zustand ein? Wenn Sie Ihre Zeitung nicht mehr im Papierformat, sondern im Internet lesen? Wenn Sie Ihre Überweisungen online vornehmen und nicht mehr am Schalter stehen? Wenn Sie – statt sich in die Einkaufsmeile zu stürzen – bei Ebay einkaufen?

Das alles reicht noch nicht, denn Fachleute untermauern, dass die Merkmale der klassischen Sucht wie soziale Isolation, Entzugserscheinungen mit körperlichen Symptomen auch auf die Internetsucht zutreffen. Abhängigkeit entsteht nicht nur durch Computerspiele, sondern auch durch soziale Netzwerke und die oft unglaubliche Menge an Online-Freunden. Da wir alle aber auch irgendwie fast immer online sind, fällt es schwer, den Beginn der Sucht zu erkennen. Entscheidend ist jedenfalls zunächst, wie viel Zeit tatsächlich im Netz verbracht wird.

Online-gestört

Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 12 und 25 Jahren sind durchschnittlich 22 Stunden pro Woche online, nur zum Spaß und nicht im Zusammenhang mit Schule, Studium oder Ausbildung. Das Smartphone ist bei ihnen mit 77,1 % die Nummer Eins, um ins Internet zu gehen. Hätten Sie das gedacht? Von sogenannten internetbezogenen Störungen sind die 12- bis 17-jährigen Mädchen mit 7,1 Prozent betroffen, während gleichaltrige Jungen mit 4,5 Prozent deutlich darunter rangieren. Möglicherweise erklären sich diese Unterschiede damit, dass Mädchen sich wesentlich öfter in sozialen Medien bewegen als Jungen. Bei den Computerspielen sieht das allerdings schon wieder anders aus.

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Medienkompetenz muss sich über Gender- und Rollenzuordnung hinwegsetzen. Jede/r muss da abgeholt werden, wo er oder sie steht, Patentrezepte gibt es nicht, aber viele Möglichkeiten, Jugendliche und junge Erwachsene beim Entwickeln von Medienkompetenz zu unterstützen. Informieren Sie sich, engagieren Sie sich – wir stehen gerne an Ihrer Seite. Rechner, Tablet, Smartphone und Co. sollten nicht verteufelt werden, denn sie sind die einzigen Instrumente, mit denen Medienkompetenz erlernt werden kann. Doch trotzdem gilt: Smartphone beim Abendessen mit der Familie weglegen! Ja, auch Sie!

Hier finden Sie den Teilband Computerspiele und Internet der Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zur Drogenaffinität Jugendlicher.

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geschrieben von: Eva Schwarz

Als Volljuristin und Mitinhaberin einer Text- und Internetagentur ist der Weg zum Medienrecht recht kurz. Die gewaltfreie Kommunikation schätzt die zertifizierte Konfliktcoachin als neuen Weg für mehr Empathie und friedliches Miteinander auch in der digitalen Welt.

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